der Verein – eine Entstehungsgeschichte

Unser Verein „Anna+Sascha“ mit seinem angestrebten Projekt verdankt seinen Entstehungsimpuls einem besonderen Menschen. SASCHA wurde 1995 in St. Petersburg geboren. Als die Ärzte erkannten, dass er das Down-Syndrom hat, sagten sie seiner Mutter kurzerhand, das Kind sei tot. Erst 14 Tage später erfuhr sie durch einen Anruf, dass ihr Kind zwar lebe, jedoch schwer behindert sei und sie sich ihr Leben nicht mit einer solchen Last zerstören solle. Im staatlichen Kinderheim sei es gut versorgt.

Dort sah ich Sascha fünf Jahre später zum ersten Mal während eines Besuches meines Bruders, der dort über den Verein „Perspektiven“ e.V. seinen Anderen Dienst im Ausland absolvierte. Die Eindrücke von damals haben sich tief in mein Herz gegraben. Beim Abschied versprach ich Sascha ganz leise: „Ich hole Dich hier raus!“img_0324

Vierzehn Monate später, nach unendlichem Hürdenlauf in der deutschen und russischen Bürokratie, trug ich ihn im Tragetuch zu mir nach Hause und in die Mitte einer großen Familie und Gemeinschaft, die ihn mit offenen Armen und riesiger Freude aufnahmen. Sascha war sieben Jahre alt, 77cm klein und wog sieben Kilogramm. Er wurde gewindelt, konnte nicht laufen, nicht sprechen – aber: ESSEN! 

Laut russischem medizinischem Gutachten war er schwerhörig, nahezu blind, hatte einen schweren Herzfehler und eine Nierenatrophie.

Heute ist Sascha 21 Jahre alt. Er hat inzwischen viele Herzen erobert. Er ist körperlich gesund, kann laufen, schwimmen, Karussell fahren. Er kennt die Buchstaben und macht sich jedem verständlich, der sich auf ihn einlässt. Er liebt Musik und ist begeisterter Zuhörer im Sinfoniekonzert. Er ist künstlerisch tätig und arbeitet mit großer Freude und Hingabe in der Küche der EGE (Evangelische Schulgemeinschaft Erzgebirge) in Annaberg-Buchholz.

Während seiner ganzen wundersamen Entwicklung profitierte er vom wohlwollenden Zusammensein mit anderen Menschen: Kindern, Schülern, Lehrern und Erziehern, Kollegen, Familienangehörigen, Freunden, Nachbarn…. Alles Erreichte verdankt er einer Gemeinschaft von Menschen, die ALLE einmalig und besonders sind, die Ziele, Vorbilder, Anforderungen, Anregungen und Haltepunkte gestellt haben, die sich mutig vorgewagt haben auf das wenig bekannte Terrain des Ein- statt Aussortierens, die Verantwortung übernahmen, ausprobierten, sich einließen. Im Gegenzug haben sie erfahren, zu welcher Bereicherung Menschen wie Sascha für unsere Gesellschaft werden, wie Türen sich öffnen, Schwache ganz stark werden, welche anderen Werte als Leistung, Perfektion und Erfolg plötzlich Bedeutung gewinnen können.

Diese Gegenseitigkeit im Miteinander soll der tragende Pfeiler unserer Vereinsarbeit sein. Wir bemühen uns um Offenheit für alle, die TEILHABEN wollen am gemeinsamen Leben.

Wir wollen TEILHABEN und TEILHABE ermöglichen.

Katja Seifert

 


in einfacher Sprache:

Wie der Verein entstanden ist

Unser Verein hat den Namen „ANNA und SASCHA“.

SASCHA lebt in ANNAberg.

Sascha wurde in Russland geboren – mit Down Syndrom.

 

Nach der Geburt von Sascha haben Ärzte und andere Menschen gesagt:

„Sascha ist schwer krank.

Sascha kann nicht bei der Mutter leben.

Sascha muss in ein Kinder-Heim.“

 

Die Mutter von Sascha hat diesen Menschen geglaubt:

Sascha musste in ein Kinder-Heim.

 

Aber Sascha ging es schlecht im Kinder-Heim:

  • Sascha trug noch Windeln mit 7 Jahren
  • Sascha war zu klein und zu leicht.
  • Sascha konnte nicht laufen.
  • Sascha konnte nicht sprechen.

 

Ich besuchte Sascha in Russland im Kinder-Heim.

Ich habe gesagt: „Ich hole Dich hier raus!“

 

Es dauerte über ein Jahr.

Dann durfte ich Sascha nach Deutschland holen.

 

Jetzt lebt Sascha in einer großen Familie.

Sascha ist glücklich!

Und Sascha hat viel gelernt:

  • laufen
  • schwimmen
  • Buchstaben lesen

 

Unterschiedliche Menschen können sich verstehen.

Auch wenn einige Menschen nicht richtig sprechen können.

Aber die Menschen müssen es wollen.

 

Wir finden:

Menschen wie Sascha sollen mit allen anderen Menschen zusammen leben.

In einer Familie.

In einer großen Gemeinschaft.

Dann lernen wir alle besser voneinander.

Das Leben wird so wertvoll.

 

Katja Roschinsky/ Katja Seifert